Erweiterte Suche
Gegenentwürfe
© Museumsverbund Pankow / Uwe Dähn
Für den Museumsverbund Pankow enden die Rückschauen und Projekte zum 20. Jahrestag des Mauerfalls, auf friedliche Revolution und Wende auch 2010 nicht. Mit der neuen Ausstellung "Gegenentwürfe. Der Prenzlauer Berg vor, während und nach dem Mauerfall" im Gebäude des Kultur- und Begegnungszentrums Sebastian Haffner betrachten die Kuratoren bewusst einen nicht durch Daten oder Jahreszahlen eingeschränkten Zeitraum. „Es geht uns nicht um Wochen oder Monate“, sagt Museumsleiter Bernt Roder, „denn es gab auch Leute und Orte, die lange vor dem Mauerfall von Bedeutung waren und die auch nach 1990 noch engagiert waren und wichtig sind.“

Auf den insgesamt etwa 100 Quadratmetern in der ersten Etage des ehemaligen Schulgebäudes verweisen Ausstellungs-Hänger auf sieben inhaltliche Schwerpunkte, die alle mit dem ehemaligen Bezirk Prenzlauer Berg in Verbindung stehen. „Es war ein besonderer Bezirk mit besonderen Bewohnern und besonderen Ereignissen“, erläutert der Museums-Chef diese Zuordnung.

In kurzen, überschaubaren Texten, mit viel historischem Fotomaterial und mit filmischen Dokumenten in einer kleinen Video-Lounge steht beispielsweise der Hirschhof in der Kastanienallee in der Betrachtung als regionalhistorisch bedeutsame Stätte der unabhängigen Kulturszene ebenso wie mit seinem besonderem politischen Zusammenhang. Denn hier traten nonkonforme Künstler auf einem Areal auf, dessen Schaffung und Erhalt auch von staatlich-kommunalen Einrichtungen wie dem Wohnbezirksausschuss und dem Rat des Stadtbezirks geduldet und gefördert wurde.


Der Helmholtzplatz dagegen steht beispielhaft, so Bernt Roder, „für den sozialen Umbruch nach dem Umbau, für die Entwicklung vom Ort des sozialen Sprengstoffs“. Beleuchtet wird der Eigentumswechsel, von den Wohnungsbesetzungen in der DDR-Zeit, den Hausbesetzungen Anfang der 1990er-Jahre mit dem seinerzeit politisch wichtigen Runden Tisch der Instandbesetzer bis in die Gegenwart des vermehrten Privateigentums an Wohnraum und Immobilien.

Die Gethsemanekirche als bedeutender Aktionsraum für die Menschenrechts-, Friedens- und Umweltbewegung in der DDR, das Gebäude des ehemaligen VEB Treffmodelle als Beispiel für Industrie und Wirtschaft, der Thälmann-Park und die Oderberger Straße als zwei verschiedene Muster für sozialistische Stadtplanung und das heutige Bezirksamtsgelände in der Fröbelstraße mit seinen verschiedenen Nutzungen sind weitere inhaltliche und örtliche Stationen der Ausstellung. Ebenso der Kollwitzplatz als Sinnbild für eine „vitale und aufmüpfige Künstler- und Literatenszene des Bezirks“, wie es in einem begleitenden Informationsmaterial heißt, „deren Protagonisten von der Staatssicherheit argwöhnisch überwacht“ worden sind. Protagonisten, zu denen auch die Gründer eines ersten unabhängigen Kinderladens gehörten und die das Kollwitz-Viertel auch zu einem Ort der „pädagogischen Aufbrüche“, wie Bernt Roder es nennt, machen. Wie jedem der Themenbereiche ist auch dem Kollwitzplatz die Biografie eines Zeitzeugen zugeordnet – hier ist es die Bürgerrechtlerin und Mitgründerin des damaligen Kinderladens, Ulrike Poppe, die vor wenigen Wochen das Amt der Stasi-Beauftragten des Landes Brandenburg übernommen hat.


Montag bis Freitag, 10 - 18 Uhr

Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner, Prenzlauer Allee 227 / 228, 10405 Berlin

weitere Veranstaltungen

    Impressum